
Rechenzentrum als Impuls: SPD-Ratsfraktion will Masterplan „Digitale Wirtschaft“ für Hamm
Veröffentlicht am 19. Januar 2026
Die geplante Ansiedlung eines Großrechenzentrums im interkommunalen Industriegebiet Westfalen ist ein wichtiger Impuls für den Wirtschaftsstandort Hamm. Für die Hammer Sozialdemokratie ist dabei klar: Aus dieser Chance muss eine Strategie werden. Deshalb bringt die SPD-Ratsfraktion gemeinsam mit ihren Partnern der AmpelPlus-Koalition einen Antrag zur Entwicklung eines Masterplans „Digitale Wirtschaft“ in die politischen Beratungen ein.
Ziel ist es, die aktuellen Impulse rund um das geplante Rechenzentrum zu nutzen, um hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen, die Transformation der regionalen Wirtschaft zu stärken und digitalaffine Unternehmen gezielt in Hamm anzusiedeln. „Das Rechenzentrum ist mehr als eine einzelne Ansiedlung. Es zeigt: Hamm kann ein zentraler Standort in Deutschland für digitales Wirtschaften werden – wenn wir jetzt strategisch handeln“, erklärt Justus Moor MdL, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. „Darum wollen wir mit einem Masterplan konkrete Schritte definieren: von Flächen über Infrastruktur bis hin zu Fachkräften und Innenstadtpotenzialen.“
Warum ein Rechenzentrum für den Standort wichtig ist
Großrechenzentren sind ein zentraler Baustein der digitalen Infrastruktur: Sie verarbeiten Daten, ermöglichen Cloud-Dienste und bilden die Grundlage für datenintensive Anwendungen – von Künstlicher Intelligenz über Industrie 4.0 bis zu modernen digitalen Services. Für Städte und Regionen heißt das: Wer die passenden Rahmenbedingungen bietet, kann neue Unternehmen anziehen – und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Wirtschaft stärken.
Was bedeutet „Latenz“ – und warum ist das für Hamm besonders spannend?
Wenn über digitale Infrastruktur gesprochen wird, fällt oft ein Begriff: Latenz. Gemeint ist die Zeitverzögerung, bis Daten von einem Gerät (z. B. Maschine, PC, Smartphone) zum Rechenzentrum gelangen – und die Antwort wieder zurückkommt. Je niedriger die Latenz, desto schneller und zuverlässiger lassen sich digitale Anwendungen nutzen, vor allem dann, wenn sie in Echtzeit reagieren müssen.
Eine Millisekunde (ms) ist dabei extrem kurz: 1 ms = 0,001 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert grob 100–300 ms – also hundertfach länger. Genau deshalb sind Latenzen im Bereich von wenigen Millisekunden oder sogar darunter für bestimmte Anwendungen ein echter Vorteil.
Und hier wird es für Hamm besonders interessant: In einem Umfeld von 20 bis 30 Kilometern rund um das Industriegebiet Westfalen sind – bei entsprechender Netzanbindung – sehr niedrige Latenzen von unter 1 Millisekundemöglich. Selbst in einem Radius von bis zu 100 Kilometern sind sehr gute Werte von etwa 1 bis 5 Millisekundenerreichbar. Das ist besonders relevant für Anwendungen, bei denen jede Verzögerung zählt, zum Beispiel:
- Industrie & Produktion (Echtzeit-Steuerung, Sensorik, Robotik),
- Forschung und datenintensive Anwendungen,
- digitale Unternehmen mit Cloud-, KI- oder Echtzeit-Services,
- sowie Bereiche wie Gesundheits-IT oder Finanz-Transaktionen.
Kurz gesagt: Kurze Datenwege können ein Standortvorteil sein – weil digitale Prozesse dadurch schneller, stabiler und wirtschaftlicher laufen. Das schafft zusätzliche Argumente, warum Hamm als Wirtschaftsstandort in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen kann.
Nächste Schritte
Der Antrag wird in den kommenden Wochen in den politischen Gremien beraten. Für die SPD-Ratsfraktion ist wichtig, dass Hamm die Entwicklung frühzeitig strategisch begleitet: mit einer klaren Zielrichtung, verlässlichen Rahmenbedingungen – und dem Anspruch, dass aus digitaler Infrastruktur auch Wertschöpfung und gute Arbeit vor Ort entsteht.